„Das Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“
Sören Kierkegaard

Der Fremdsprachenunterricht

"Sprachunterricht in der Waldorfschule ist Schulung der Fähigkeit zu menschlicher Anteilnahme, ist "soziale Pädagogik", ist Friedenspädagogik nicht auf dem Weg der Diskussion oder des Informiertwerdens, sondern durch Ausbildung von Wahrnehmungsfähigkeiten."
Johannes Kiersch

 

Zu den bekanntesten Eigenarten der Waldorfpädagogik gehört der frühe Beginn des Fremdsprachenunterrichts. Das menschenbildende Element der Sprache war Rudolf Steiner wichtig genug, um es gleich von der ersten Klasse an kräftig in die Pädagogik einzubeziehen: Die Erstklässler sollten von Anfang an zwei Fremdsprachen pflegen. Das frühe Üben in verschiedenen Sprachen erweitert das Innenleben des Menschen und macht ihn im Empfinden und im Denken geschmeidiger. Sprachen machen beweglich. Weil in jeder Sprache die Lotung, vor allem aber die Denkformen verschieden sind, verlaufen auch die inneren Bewegungen anders.

Schon nach einigen Wochen beginnen unsere Erstklässler, sich in der englischen und russischen Sprache zu "bewegen", in einer westlichen und einer östlichen Sprache. Sie beschäftigen sich von Anfang an mit zwei kontrastreichen Sprachen und lernen Polaritäten kennen, die menschenbildend wirken. Welchen Beitrag diese zwei in ihrer Eigenart recht unterschiedliche Sprachen innerhalb der großen Sprachfamilie der europäischen Völker zu leisten vermögen, findet man u. a. bei Herbert Hahn: "Vom Genius Europas", im Kapitel "England und Russland".

Im ersten Fremdsprachenunterricht können wir noch weitgehend mit den langsam abklingenden Nachahmungskräften der Kinder arbeiten. Die Kinder "tauchen" in die fremden Laute ein, ohne Fragen zu stellen, spielen gerne mit dem Lautreichtum der Sprache. Sie erwerben die Sprache ähnlich wie die Muttersprache durch Hören, Mitsprechen, Spielen und Handeln, durch Fühlen. In dieser Altersstufe kann eine lebendige unmittelbare Beziehung zur Sprache leicht hergestellt werden. Die fremde Sprache erscheint dabei durch das lebendige Wort der Lehrerin/des Lehrers, von ausdrucksstarker Mimik und Gestik begleitet. Wenn ein Märchen einige Stunden nacheinander erzählt wird, übernehmen die Kinder schon einige Rollen, sprechen mit, fühlen mit. Als "Helfer" werden viele Tiere, Puppen und allerlei Gegenstände mitgebracht, mit denen die Kinder sich oft voller Begeisterung verbinden.

In den unteren Klassen wird Vieles angelegt, das die Liebe zur Fremdsprache und schließlich das Interesse am anderen Volk, an der anderen Kultur fördert. So kann auch manches mitgebrachte Kuscheltier in unserer "Tierecke" einmal Englisch und Russisch lernen und mit auf Weltreise gehen.

Entscheidend für den Fremdsprachenunterricht ist die Altersstufe. Nach den ersten drei Schuljahren fast ausschließlich mündlicher Arbeit kommen dann das Schreiben und Lesen hinzu. Besonders wichtig sind künstlerisch wertvolle Texte, die die Wesensart eines Volkes auszudrücken vermögen, etwa von Tolstoi oder im Englischen die Nursery Rhymes. Ab der 4. Klasse wird auch die Grammatik aufgebaut. Dabei helfen uns die in den ersten Jahren erarbeiteten Sprüche, Lieder, Gedichte. Mit dem neunten Lebensjahr tritt der Mensch in größere Distanz zur Welt. So kommt zum vertrauten Klangbild der Sprache das distanzierende Schriftbild hinzu. In der Erarbeitung der Grammatik werden erste Bewusstseinsschritte gefordert.

Dank einer sorgfältigen Pflege der Texte durch die Jahre hindurch verfügen unsere Schüler in der Oberstufe über einen Wortschatz, welcher es ihnen ermöglicht, Werke der großen englischen und russischen Dichter und Schriftsteller im Original zu lesen. Im Russischen lernen die Schüler Werke von Puschkin, Lermontov, Gogol, Dostojewski, Tschechow u. a. kennen. Hier wirkt fremdes Kulturgut durch Inhalt und Stil, Gedanke und Form in schönster Harmonie auf die Gemüter. Die Landeskunde ist ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl der Texte. Im Englischen werden neben Großbritannien und Amerika auch Commonwealth-Länder behandelt und Biographien wichtiger Persönlichkeiten wie Gandhi, Martin Luther King u. a. besprochen. Shakespeare und die Poetik sowie moderne Theaterstücke runden das Bild ab.

In der Rezitation von Gedichten und Prosa werden die Gedächtniskräfte geschult, während etwa bei Debattieren in der 10. Klasse die Freude am spontanen Ausdruck im Vordergrund steht. Verschiedene Textsorten wie Briefe, Berichte, Inhaltsangaben usw. können bei Hausaufgaben wie "nebenbei" geübt werden und sollen Schülern helfen, sich auch schriftlich in der Fremdsprache auszudrücken.

An unserer Schule sind die beiden Fremdsprachen fest verankert und werden erfolgreich auf allen Stufen unterrichtet. Mit einer Sprache, die dem westlichen Kulturraum, und einer, die dem östlichen Kulturraum zugeordnet ist, sind wir gut aufgestellt, wenn man bedenkt, dass wir Mitteleuropäer eine verbindende Funktion zwischen diesen beiden Kulturkreisen einnehmen. Demgegenüber steht der starke Wunsch nach einer Alternative zum Russisch, bzw. nach einer Erweiterung des Sprachangebots um eine romanische Sprache und damit der Öffnung eines weiteren Kulturraums, der noch andere Erfahrungsmöglichkeiten bietet. Daraus entstand die Möglichkeit für die Schüler ab der 9. Klasse Spanisch als zweite Fremdsprache zu wählen.

Viele Schüler nutzen die Oberstufenzeit, um einige Monate ins Ausland zu gehen. Auch von den Gastschülern, die immer wieder bei uns sind, profitieren sie sehr.Eine besondere Beziehung pflegen wir zu unseren Partnerschulen im russischen Irkutsk und Samara, wo auch Sozialpraktika geleistet werden können.

In der 12. Klasse liegt der Schwerpunkt der Lektüre auf der modernen Literatur und auf zeitgenössischen Texten, weil man in diesem Alter zunehmend die Zusammenhänge der Weltentwicklung erkennen und sich eine eigene Weltanschauung bilden will. Mit der 12. Klasse schließt das an den Entwicklungsgesetzmäßigkeiten des Menschen orientierte Erziehungskonzept ab. Dazu trägt der Sprachunterricht vieles bei. Die Sprachlehrer sind in der glücklichen Lage, die Entwicklung der Kinder durch alle Altersstufen, von der ersten bis zur letzten Klasse, zu begleiten.

Veranstaltungen

Präsentationen der Jahresarbeiten 12. Klassen
24.11.2017 - 25.11.2017
Galerie im Flur: Klang der Landschaft
15.10.2017 | 11:00 - 00:00 Uhr
Vortrag zum Tag der offenen Klassentür
01.12.2017 | 20:00 Uhr
Tag der offenen Klassentür
02.12.2017 | 09:00 - 13:00 Uhr
Schulkonzert
08.12.2017 | 19:00 Uhr
Schulkonzert
09.12.2017 | 19:00 Uhr
Paradeisspiel und Christgeburtsspiel
21.12.2017 | 19:30 Uhr
Weihnachtsferien
22.12.2017 - 05.01.2018
Dreikönigsspiel
07.01.2018 | 20:00 Uhr

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Anschrift der Schule

Freie Waldorfschule Freiburg St. Georgen

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79111 Freiburg

Öffnungszeiten Sekretariat:
Mo. & Di. 7.30 − 12.00 Uhr
Mi. 7.30 − 10.00 Uhr
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